27.6.2020  -  Einem islamischen Himmelsglobus gelang der Sprung in eine atemberaubende Spitzenposition: Ergebnisse der Auktion mit alter und neuer Kunst bei Bassenge in Berlin.

 
Ein leicht lädierter islamischer Himmelsglobus aus dem 16. Jahrhundert, geschätzt auf 8.000 Euro, erklomm in der Auktion mit alter und moderner Kunst bei Bassenge in Berlin mit dem Zuschlag von 235.000 Euro eine atemberaubende Spitzenposition. Erworben wurde der kostbare Messingguss mit silbern eingelegten Sternbildern gegen internationale Konkurrenz von einem privaten Käufer aus dem arabischen Raum. Kaum minder spektakulär verlief der Streit um zwei, schließlich von einem süddeutschen Altmeister-Sammler ersteigerte Druckgraphiken italienischer Renaissancekünstler: Auf 2.800 Euro taxiert, erzielte Girolamo Fagiuolis Kupferstich „Adam und Eva mit dem Knaben Abel“ stolze 75.000 Euro, während Giulio Fontanas Radierung „Die Schlacht bei Cadore“ (nach Tizians Gemälde im venezianischen Palazzo Ducale) von 7.500 auf 85.000 Euro stieg. Ein Berliner Interessent investierte 75.000 Euro (Taxe 35.000) in Paolo Veroneses grau lavierte Federzeichnung der „Madonna mit den Heiligen Franziskus und Georg“. Albrecht Dürers „Heiliger Hieronymus im Gehäus“ kam auf 30.000 Euro (15.000). Rückgänge erlitten Rembrandts „Hundertguldenblatt“, Odilon Redons „Vieux Chevalier“ und Picassos Radierung „En la Taberna“.
 
Lesser Ury, „Selbstbildnis“, 1922, Kohle auf Velin, 31,8 mal 23 Zentimeter: 17.220 Euro.
 
Zu beinah hundert Prozent absetzen ließ sich eine deutsche Privatsammlung mit knapp 150 „Works on Paper“: Ihren von chinesischen Kennern aufmerksam beobachteten Kernbestand bildeten knapp dreißig Werke von Käthe Kollwitz; einen exorbitanten Preis erzielten mit 26.000 Euro (6.000) vier Kohle-Studien eines markanten Arbeiterkopfs aus dem Jahr 1904. Von 750 auf 14.000 Euro kletterte Max Slevogts Federstudie aus dem Themenkreis um „Ali Baba“. Alfred Kubins psychologisch pointierte Darstellung eines übergriffigen Affen war einem französischen Bieter die Anlage von 27.000 Euro (7.500) wert. Für 11.000 Euro (15.000) verkauft wurde Emil Noldes Farblithographie „Große Mühle“.
 
Bei der Versteigerung von Gemälden alter und neuerer Meister verdoppelte sich der Schätzpreis für Wilhelm Leibls „Selbstbildnis mit schwarzem Hut“; das kleinformatige Konterfei des düster blickenden Malers stieg von erwarteten 15.000 auf 30.000 Euro. Ein „Oberitalienisches Tal im Abendlicht“ des Frankfurters Carl Morgenstern verbesserte sich von 2.800 auf 17.000 Euro. Eine Vielzahl polnischer Staatsbürger geriet förmlich aus dem Häuschen, als der Auktionator bei 600 Euro die Miniatur der exzentrischen Fürstin Izabela Lubomirska von der Hand eines Monogrammisten „B.“ aufrief, einer Freundin Goethes und Jacques-Louis Davids, die – stets hellblau gekleidet – an den Höfen Europas glanzvolle Auftritte genoss: 200 Jahre nach ihrem Ableben unvergessen, spielte ihr goldgerahmtes Bildnis 10.000 Euro ein. Als unermüdliche Telefonbieter stritten Kunstfreunde aus Luxemburg um den „Chiemsee“ ihres Landsmanns Joseph Kutter, der seinen Erwerber am Ende 24.000 Euro (4.500) kostete. Für 19.000 Euro (7.500) nach Norwegen heimgeholt wurde Rolf Neschs gedämpft farbiger Metalldruck „Fischerboote bei ruhiger See“.
 
Ins Volle der graphischen Produktion von Lesser Ury zu greifen, ermöglichte ein englischem Privatbesitz entstammendes Konvolut von 35 Einzellosen. Die Kohlezeichnung eines „Rauchenden im Café“ stieg von 6.000 auf 26.000 Euro, das „Selbstbildnis frontal“ von 5000 auf 14.000 Euro und die werktypische Radierung einer „Regennassen Tiergartenallee mit Pferdedroschken“ von 1.500 auf 1.990 Euro. Zur Blütezeit der Pop-Art in den Standards der Konkreten Kunst verharrte der 2010 in Bochum gestorbene Kuno Gonschior, dessen „Leuchtkugel“, eine optisch irritierende Malerei auf Holz, ihren Bewunderer zur Ausgabe von 23.000 Euro (2.400) bewog.