Cuno Amiet, „Mutter und Kind“, 1899, Tempera auf Leinwand, 80 mal 57 Zentimeter: Taxe 380.000/480.000 Franken .< Cuno Amiet, „Mutter und Kind“, 1899, Tempera auf Leinwand, 80 mal 57 Zentimeter: Taxe 380.000/480.000 Franken .

1.7.2020  -  Lange Zeit galt das Werk von Cuno Amiet als verschollen, nun ist „Mutter und Kind“ nach fast neunzig Jahren in einer Schweizer Privatsammlung wiederentdeckt worden: Vorschau auf die Auktionen mit moderner, zeitgenössischer und Schweizer Kunst bei Koller in Zürich.

 
Auf einer sonnengelben Blumenwiese sitzen „Mutter und Kind“ und genießen den herrlichen Sommertag: Im Jahr 1899 malte Cuno Amiet das Bild für den Kunstsammler Oscar Miller. Bereits ein Jahr später tauschte Miller es gegen ein anderes bei Amiet ein, weil es Probleme mit der Haftung der Temperafarben auf dem Gemälde gab. Der Künstler nahm die Rückgabe nicht nur zum Anlass für eine konservatorische Behandlung, sondern veränderte auch die Komposition. Er ersetzte einen dunklen Hügelzug durch sieben blühende Bäumchen am oberen Bildrand. Lange Zeit galt das Werk als verschollen, nun ist es nach fast neunzig Jahren in einer Schweizer Privatsammlung wiederentdeckt worden und mit einer Erwartung von 380.000 bis 480.000 Franken eines der Toplose in Kollers Auktion mit Schweizer Kunst am 3. Juli in Zürich.
Mit einer Schätzung von 380.000 bis 550.000 Franken ist Albert Ankers 37 mal 32 Zentimeter kleines, ebenfalls 1899 entstandenes Gemälde „Mädchen mit Weihnachtsgeschenken“ das Spitzenwerk unter den 84 angebotenen Losen. Von Anker kommen zudem acht Aquarelle zum Aufruf, darunter die beiden marktfrischen Gegenstücke von 1907 „Großvater beim Zeitungslesen“ und „Großmutter beim Stricken“ (Taxe je 25.000/35.000 Franken). Während Ferdinand Hodlers Kopfstudie „Blick ins Unendliche“ von 1914/15 durch Monumentalität beeindruckt (160.000/220.000), ist es bei Louis Soutters durch Fingermalerei entstandener Tuschezeichnung „Hôtes de roulotte“ die spontane und archaische Art (140.000/180.000). Zahlreiche farbintensive Landschaften bereichern die Offerte, darunter Gottardo Segantinis marktfrische „Landschaft bei Maloja“ von 1931 und Giovanni Giacomettis „Mattino d’estate“ von 1924 (Taxe je 120.000/180.000 Franken).
 
Joan Miroó, „Solitude III/III) 1960, Öl und Kohle auf Karton, 75 mal 105 Zentimeter: Taxe 320.000/380.000 Euro. Joan Miroó, „Solitude III/III) 1960, Öl und Kohle auf Karton, 75 mal 105 Zentimeter: Taxe 320.000/380.000 Euro. >
 
Das Highlight unter den 75 Losen mit moderner Kunst ebenfalls am 3. Juli ist Joan Mirós „Painting“ von 1953 (480.000/550.000): Auf dem friesartigen, 150 mal zwanzig Zentimeter messenden Gemälde scheinen nicht deutbare Zeichen und Formen vor dem monochrom schwarzen Untergrund zu schweben. Mit „Solitude III/III“ von 1960 (320.000/380.000) und „Tête I“ von 1972 (180.000/240.000) werden zwei weitere Werke von Miró angeboten. Max Pechstein reiste im Sommer 1920 zum fünften Mal in das ostpreußische Fischerdorf Nidden auf der Kurischen Nehrung. Dort entstand die Gemäldefolge „Fischerleben“, zu der das Ölbild „Fischerfrauen“ gehört: Mit expressivem, kantigem Pinselstrich fängt er die beiden Frauen vor dem tosenden Meer ein (220.000/280.000). Giorgio de Chirico liefert mit „Piazza d’Italia“ eine seiner typisch menschenleeren, surrealen Stadtansichten (100.000/150.000), und Max Liebermann hält um 1908 seinen „Garten mit Palmenkübel und zwei weiblichen Figuren“ fest (30. 000/500.000).
 
Die Zeitgenossen-Auktion findet bei Koller am 4. Juli statt: Unter den 93 angebotenen Losen sticht das 1958 entstandene Aquarell „Der gelbe Platz – Flugplatz“ von Friedensreich Hundertwasser durch seine Diskrepanz zwischen Utopie und Realität besonders hervor (120.000/180.000).
Andy Warhol, „Lola Jacobson“, 1985, Siebdruck und Acryl auf Leinwand: Taxe 180.000/240.000 Franken.
 
< Von Andy Warhol kommen gleich zwei Unikate unter den Hammer: das Acrylgemälde mit Siebdruck von „Lola Jacobson“ aus dem Jahr 1985 (180.000/240.000)
und die marktfrische, ebenfalls 1985 entstandene Mischtechnik aus Acryl und Serigraphie „B/W Ads (Are You Different?)“ (50.000/70.000). Luftig leicht und verspielt erscheint die kleine, nur 41 Zentimeter hohe Plastik „Grass Skirt Opus“ von John Chamberlain (100.000/150.000); der amerikanische Künstler fertigte sie 2002 aus bemaltem und verchromtem Stahl an . Wim Delvoyes Bronze „Jesus Twisted“ von 2006 wirkt dagegen düster und ironisch (Auflage 3; 90.000/120.000). Die drei Auktionen sollen zusammen 7,5 Millionen Franken einspielen.