Im Jahr 1999 hat Carl Reiner (r.) mit Mel Brooks für "The 2000 Year Old Man in the Year 2000" einen Grammy gewonnen. < Im Jahr 1999 hat Carl Reiner (r.) mit Mel Brooks für "The 2000 Year Old Man in the Year 2000" einen Grammy gewonnen.

1.7.2020  -  Er schrieb eine der erfolgreichsten Sitcoms der amerikanischen Fernsehgeschichte, mit „Tote tragen keine Karos“ drehte er eine beliebte Hommage an den Gangsterfilm der Vierziger. Im Alter von 98 Jahren ist Carl Reiner gestorben.
 
Der amerikanische Regisseur Carl Reiner ist tot. Reiner war 1922 als Kind österreichischer Einwanderer in New York geboren worden, diente nach der Schule im Militär, wurde Schauspieler und später Regisseur. Große Erfolge feierte er unter anderem mit „Oh Gott...“ (1977), „Reichtum ist keine Schande“ (1979) und „Solo für 2“ (1984). Reiner hatte drei Kinder, einer davon war der Regisseur Rob Reiner, der unter anderem „Harry und Sally“ drehte.
 
Aufgewachsen in einem italienisch-jüdischen Viertel der Bronx als Sohn eines Uhrmachers, nahm Carl Reiner nach der High School Unterricht am Dramatic Workshop der WPA (Workshop of Players Art) in New York und bereiste während des Zweiten Weltkriegs als Mitglied einer Unterhaltungstruppe unter Major Maurice Evans den Südpazifik.
 
Nach dem Krieg setzte er seine schauspielerisch-komödiantische Karriere zunächst mit der Tourneeproduktion „Call Me Mister“, einem Musical, fort. Sein eigentlicher Karrierestart zu einem landesweit bekannten Komiker gelang ihm Ende der vierziger Jahre als Mitspieler von Sid Caesar und Imogene Coca in der erfolgreichen Fernseh-Komikreihe „Your Show of Shows“. Nach neunjähriger Mitwirkung an dieser Sendung war der Grundstock für seine weitere Fernseh- und Filmlaufbahn gelegt. Für die ebenfalls langlebige Sitcom-Reihe „The Dick Van Dyke Show“ (1961-1966), eine der erfolgreichsten der amerikanischen Fernsehgeschichte, schrieb Reiner das Drehbuch und übernahm selbst eine Rolle – er spielte Alan Brady.
 
1967 gab Reiner mit der Verfilmung seines eigenen Bühnenstückes „Enter Laughing“ sein Debüt als Filmregisseur. Berühmt wurde er vor allem mit Genre-Parodien, wobei seine in schwarz-weiß gedrehte Hommage an die Detektiv-Thriller der vierziger Jahre unter dem Titel „Dead Men Don't Wear Plaid“ aus dem Jahr 1982 (deutsch „Tote tragen keine Karos“), für die er sich auch einer Vielzahl in die Handlung integrierter Originalfilmbilder aus jener Zeit bediente, bei einer großen Anzahl Filmbegeisterter regelrechten Kultstatus errang.
 
Mit Hauptdarsteller Steve Martin drehte Reiner die erfolgreichen Komödien „The Jerk“ (1979), eine Parodie auf rührselige Blues-Filme, und „All of Me“ (1984), eine Parodie auf Geister- und ähnliche esoterische Filme. Als radikal wurde seine Satire „Where's Poppa?“ aus dem Jahr 1970 (deutsch „Wo is' Papa?“) gelobt, die erst Ende der achtziger Jahre auch in deutschen Kinos zu sehen war. Nicht ganz so erfolgreich war seine spätere Persiflage auf Erotik-Thriller wie „Fatal Affair“ und „Basic Instinct“ unter dem Titel „Fatal Instinct“ aus dem Jahr 1993 (deutsch „Allein unter Idioten“, in der Armand Assante und Sean Young in den Hauptrollen zu sehen waren. Im Jahr 1997 drehte Reiner mit Bette Midler in der Hauptrolle „That Old Feeling“ (deutsch „Noch einmal mit Gefühl“), danach zog er sich als Regisseur zurück.
 
Hin und wieder stand Reiner seit Ende der neunziger Jahre auch vor der Kamera, so in „The Slums of Beverly Hills“ (1998, deutsch „Hauptsache Beverly Hills“) und in einer Gastrolle in Steven Soderberghs erfolgreicher Gangsterparodie „Ocean's Eleven“ (2001), einem Remake der Gaunerkomödie „Frankie und seine Spießgesellen“ (1960), die mit „Ocean's Twelve“ (2004) und „Ocean's Thirteen“ (2007) gleich zwei Fortsetzungen bekam, bei denen Carl Reiner auch auf der Besetzungsliste zu finden war.
 
Wie seine Assistentin Judy Nagy dem Branchenmagazin „Variety“ sagte, sei Carl Reiner am Montag in Los Angeles gestorben. Er wurde 98 Jahre alt.