Unterhaltung seit 1953: Die Barrelhouse Jazzband ist  nach der Dutch Swing College Band die älteste noch aktive Jazzband weltweit. 09.07.2020  -  Die Barrelhouse Jazzband ist Frankfurts und Deutschlands Aushängeschild des traditionellen Jazz. Doch wenn sich ihre prekäre finanzielle Situation unter Corona nicht bald ändert, ist die Existenz der Gruppe massiv gefährdet.

 
So alt ist kaum eine andere geworden. Die Barrelhouse Jazzband, Frankfurts und Deutschlands Aushängeschild des traditionellen Jazz, geht schon langsam auf die siebzig zu. Im Jahr 1953 wurde das Septett um den Klarinettisten Reimer von Essen gegründet. Damit ist sie nach der Dutch Swing College Band die älteste noch aktive Jazzband weltweit. Kollektiv wurde das Ensemble schon 1968 in den Adelsstand eines Ehrenbürgers der Stadt New Orleans erhoben, eine Auszeichnung, die sie als Bewahrer eines großen kulturellen Erbes auch verdient hat. Das weiß man natürlich in der Region ebenfalls zu schätzen, wo der Bandleader 2011 den Hessischen Jazzpreis und vor einem Jahr die Goethe-Plakette des hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst erhielt.
 
Was aber hilft das alles in Corona-Zeiten, in denen das öffentliche Konzertleben brachliegt und damit alle freischaffenden Musiker stillgestellt sind? Was hilft es vor allem bei der prekären finanziellen Situation, wie die Beispiele von vier Mitgliedern der Barrelhouse Jazzband zeigen?
 
Der Pianist Christof Sänger, neben seiner Tätigkeit in der Band ein hochgeschätzter Solist, kam von einer Japan-Tournee zurück, als die Pandemie ausbrach. Neben den Barrelhouse-Konzerten sollte es noch eigene Auftritte in Spanien und Russland geben. Anfang März aber war Schluss mit allen Auftritten, was seine Einnahmen auf null setzte. Auf die Anfrage nach finanzieller Unterstützung wurde er an das Jobcenter verwiesen, da die Soforthilfe nur für Betriebskosten gilt, die bei ihm kaum anfallen. Nach etlichen Anträgen und sechs Wochen, in denen er von Rücklagen lebte, bekommt er nun 500 Euro monatliche Unterstützung bis September, was nicht mal reicht, um die Kredite abzuzahlen.