Sir Ringo: Im Jahr 2018 wird Starr von Prinz William zum Ritter geschlagen.
09.07.2020  -  Was könnte man an diesem Mann nicht lieben? Dem konsequent unprätentiösen Beatles-Schlagzeuger Ringo Starr zum achtzigsten Geburtstag.
 
Damit wir das gleich vom Tisch haben: Ringo Starr ist der sechste Beatle, denn mit Lennon, McCartney, Harrison, Sutcliffe und Best fing alles an, Ringo kam erst am 18.August 1962 endgültig dazu, und sofern man George Martin miteinbezieht, woran man kaum vorbeikommt, ist er sogar der siebte Beatle. John und Paul hielten ihn für den besten Rock-’n’-Roll-Schlagzeuger aller Zeiten, jedenfalls wurden sie nicht müde, das in Interviews zu betonen; und wenn wir mal von Keith Moon absehen, dann war er das auch.
 
Vor allem hat er niemals ein Drum-Solo gespielt und wollte es auch nie, deshalb waren die anderen sofort entzückt von ihm. Natürlich war in den Kompositionen von Lennon/McCartney auch gar kein Platz für irgendwelche aufschneiderischen Einzelauftritte. Wer möchte, kann die Travestie eines Solos auf „Anthology II“ hören im siebten Take von „Strawberry Fields Forever“, da muss ihn John am Ende direkt beruhigen: „Calm down, Ringo, calm down.“ Und sonst? Ja, natürlich am Ende von „Carry that Weight“, da lässt er sich zu einem bescheidenen, aber nicht uninteressanten Einzelausflug hinreißen, und der Legende nach musste er selbst dazu überredet werden.
 
Mit trockenem freundlichem Witz
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Über seine Qualitäten als Schlagzeuger muss trotzdem nicht diskutiert werden. Wir erwähnen hier nur „Come Together“. In einem phantastischen Youtube-Video erklärt er, wie er das bewerkstelligt hat, und schiebt die ganze unfassbare Brillanz auf die Tatsache, dass er als Linkshänder auf einem Drum-Kit für Rechtshänder spielen musste. Davor zeigt er noch, wie er das bei „Ticket to Ride“ gelöst hat, und danach gibt man John und Paul endgültig recht. Ringo hat, was Beatles-Aufnahmen betrifft, das Schlagzeug beinahe zu einem Melodie-Instrument gemacht. Gefeiert wurde er dafür erst spät, aber darauf legte er auch gar keinen Wert.
 
Falls man jemanden sucht, der das inflationär falsch gebrauchte Wort „authentisch“ auf angenehme Weise personifizieren könnte, dann wäre das Ringo Starr. Er ist außerdem cool und hat einen trockenen, freundlichen Witz, den man in tausend Seminaren nicht erlernen würde. Als ein feuilletonistischer Klugscheißer während der ersten Amerika-Tournee wissen wollte, was er von Beethoven halte, erwiderte er: „I love Beethoven, especially his poems.“ Das hätte von Mark Twain sein können und war es wahrscheinlich auch.
 
Bitte nicht über Gott singen
 
Sein Leben als Beatle definierte Ringo in diesem Satz: „Ich gehe rüber in Johns Haus, um mit seinen Spielsachen zu spielen, und manchmal kommt er hierher, um mit meinen zu spielen.“ Als die anderen Beatles dem Guru Maharishi verfielen und zum Meditieren nach Indien pilgerten, fühlte sich Ringo an ein Pfadfinderlager erinnert und flog gelangweilt früher nach Hause. Nach der Auflösung der Gruppe spielte er „It Don’t Come Easy“ ein, diesen eindringlich treibenden Song, der aus dem Nichts zu kommen schien und sich so angenehm von dem prätentiösen Klassenkampfquatsch von John oder dem Gegreine von Paul abhob. Später gestand Ringo, dass ihn George Harrison mächtig dabei unterstützt habe, aber an den entscheidenden Stellen ist er ihm dann noch rechtzeitig in den Arm gefallen. Als Harrison vorschlug, dass die letzte Strophe von Gott handeln solle, lehnte Starr das genauso ab, wie über Hare Krishna zu singen.
Bach und Starr sind seit 39 Jahren verheiratet.  
Was also könnte man an diesem Mann nicht lieben? Danach kam „Back off Boogaloo“, eine Art Hommage an Marc Bolan, von der nicht wenige glaubten, der Meister des Glam-Rocks habe sie selbst geschrieben. War aber wieder Harrison-Starr-Teamwork, eine Single, die in keinem Haushalt fehlen sollte, schon wegen der B-Seite „Blindman“, die Ringo, diesmal ganz allein, für den gleichnamigen Spaghetti-Western geschrieben hatte, in dem er eine tragende Rolle spielte. Wie auch in „Son of Dracula“ und „That Will be the Day“. Es war nicht gerade Arthouse-Material, aber wenn man ihn in dem unterschätzten Zappa-Werk „200 Motels“ erlebt, dann ahnt man, dass er jeden Film veredeln, wenn nicht sogar rausreißen, aber natürlich auch reinreißen kann.
 
Inzwischen hat er zwanzig Solo-Platten aufgenommen von durchaus wechselnder Qualität, er hat den Alkohol besiegt, ist seit 39 Jahren mit Barbara Bach verheiratet, die er bei den Dreharbeiten zu „Caveman“ kennenlernte, und tourt nach wie vor mit seiner All Star Band. Seit Jahrzehnten lautet seine einzige Botschaft: „Love and Peace“ oder auch „Peace and Love“. Am 7. feierte einer der coolsten Männer des Planeten seinen achtzigsten Geburtstag. Wir sind alle eingeladen.