22.7.2020 | Die gebürtige Berlinerin Helga Schubert hat den renommierten Bachmannpreis für deutschsprachige Literatur gewonnen. Das gab die Jury am Sonntag in Klagenfurt bekannt.
 
1980 war die Schriftstellerin Helga Schubert schon mal als Kandidatin für den Bachmannpreis nominiert. Damals erhielt sie aus der DDR keine Ausreisegenehmigung. Der Triumph kommt 40 Jahre später: Die heute 80-Jährige hat am Sonntag den renommierten Bachmannpreis gewonnen. Die mit 25.000 Euro dotierte Auszeichnung gilt als einer der wichtigsten Preise für deutschsprachige Literatur. 
 
Schubert setzte sich mit einem Text über eine schwierige Mutter-Tochter-Beziehung gegen 13 andere Kandidatinnen und Kandidaten durch. Schuberts Text "Vom Aufstehen" berührte die Jury. Sie schreibt darin über die Lebenserfahrungen einer Tochter mit ihrer vom Weltkrieg geprägten Mutter. Sie selbst wurde 1940 geboren, der Vater starb ein Jahr später als Soldat.
 
Der Jury-Vorsitzende Hubert Winkels sprach nach Schuberts Vortrag von einem berührenden Stoff, der mit Raffinement gewebt sei. Der Text transportiere Empathie und Wärme, sagte Jurorin Insa Wilke. "Ich liebe sie", rief der Schweizer Juror und Schriftsteller Philipp Tingler der per Video zugeschalteten Schubert zu.
 
Schubert war Diplompsychologin und war gleichzeitig seit 1975 Mitglied im Schriftstellerverband. Sie lebte bis 2008 in Berlin und zog dann mit ihrem Mann, dem Psychologen, Maler und Schriftsteller Johannes Helm, nach Nordwestmecklenburg in das Dorf Neu Meteln. Dort eröffneten die beiden für seine Bilder eine Galerie, in der zahlreiche Kulturveranstaltungen stattfinden. Meist moderiert Schubert sie und liest dort auch aus ihren neuen Erzählungen.
 

Die 44. Tage der deutschsprachigen Literatur fanden dieses Mal wegen der Corona-Pandemie virtuell statt. Die Lesungen der Autoren waren vorher aufgezeichnet, die Jury diskutierte live vom Homeoffice aus.