r unter den lange vermissten Bildern: Jan Breughel d.Ä. „Landstraße mit Bauernwagen und Kühen“, um 1610. 01.09.2020  -  Der „Spiegel“ hat nach eigenen Angaben den größten Kunstraub der DDR-Geschichte aufgeklärt: Ein Lokführer soll die fünf Gemälde aus Gotha gestohlen haben, die im vergangenen Jahr wieder auftauchten.

 

Im vergangenen Jahr erhielt das Schloss Friedenstein in Gotha fünf Meisterwerke zurück, die dem Museum im Jahr 1979 gestohlen wurden. Nun liefert das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ in seiner aktuellen Ausgabe einen Täter dazu: Alle Hinweise deuteten auf den Lokführer Rudi Bernhardt hin. Bernhardt stammt aus Schmalkalden in Thüringen, wurde wegen versuchter Republikflucht in den Westen abgeschoben und ist 2016 in Frankfurt gestorben.

 
Ausschlaggebend war ein Zeuge, dem Bernhardt ein gestohlenes Bild verkaufen wollte und den der „Spiegel“ nun zitiert. Auch die DDR-Ermittler hätten in den achtziger Jahren mit diesem Mann gesprochen, allerdings unabhängig von dem Kunstraub in Gotha. Weitere Hinweise, anhand derer Bernhardt vom „Spiegel“ überführt wurde, sind seine Schuhgröße, die zu den Fußabdrücken am Tatort passe, und sein Auto, das Zeugen in der Nähe von Schloss Friedenstein gesehen hatten.
 
Um zwei Uhr früh, in der Nacht zum 14. Dezember 1979, sind der oder die Täter mit Steigeisen in die dritte Etage des Schlosses eingebrochen. Später soll Bernhardt die Gemälde an ein befreundetes Ehepaar verkauft haben. Im Juli 2018 erhielt das Schloss Friedenstein erstmals Hinweise über den Verbleib, ein gutes Jahr später kam es zur Übergabe und die Authentizität wurde überprüft. Im Januar waren die Bilder dann in einer Sonderpräsentation im Herzoglichen Museum in Gotha zu sehen.
 
Der Wert der gestohlenen Gemälde wurde damals auf rund fünf Millionen DDR-Mark geschätzt. Es handelte sich um Frans Hals' „Brustbild eines jungen Mannes“, Anthonis van Dycks „Selbstbildnis mit Sonnenblume“, Jan Brueghel des Älteren „Landstraße mit Bauernwagen und Kühen“, Jan Lievens' „Alter Mann“ und die „Heilige Katharina“ von Hans Holbein dem Älteren. Der Raub gilt das einer der spektakulärsten in der deutschen Nachkriegsgeschichte.