25.7.2020 | Kultur, Tourismus, Sport: In vielen Lebensbereichen sind Tests auf das Coronavirus derzeit gefragt. Doch die bisherigen Testverfahren dauern lange. Eine neue Testmethode könnte künftig schnellere Ergebnisse liefern.
 
Vor dem Abflug am Flughafen, dem Betreten des Kreuzfahrtschiffs oder dem Besuch des Fußballstadiums: Ein schnelleres Testverfahren auf eine Corona-Infektion könnte in vielen Lebensbereichen zu mehr Sicherheit beitragen oder Veranstaltungen mit vielen Besuchern überhaupt erst wieder ermöglichen. 
 
Das wünscht sich unter anderen der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, Fritz Keller. Er sagte vor einigen Tagen, es müsse einen Weg geben, über Tests wieder eine gewisse Normalität zu erlangen. Ein negatives Testresultat würde einen Stadionbesuch unbedenklich ermöglichen.
 
Bisher jedoch dauert es noch verhältnismäßig lang, einen Test auf SARS-CoV-2 durchzuführen. Denn ein zuverlässiges Ergebnis ist nur mit einem sogenannten PCR-Test möglich, bei dem ein Abstrich aus Nase oder Rachen genommen wird. Die Auswertung im Labor aber dauert derzeit mehr als zwei Stunden. Dadurch können Labore pro Tag nur eine sehr begrenzte Anzahl von Proben auswerten. Mit der Konsequenz, dass Betroffene oft mindestens zwei Tage auf ihr Testergebnis warten müssen.
 
"Das Laborergebnis kommt in der Regel innerhalb von 48 Stunden", sagt etwa Dr. Martin Scherwinski, Facharzt für Diabetologie und Allgemeinmedizin in Berlin, dessen Praxis bei Patienten mit Verdacht auf eine Corona-Infektion nach Ende der Sprechstunde selbst einen Abstrich nimmt. "Das wünschte man sich schneller." Doch die dafür eigentlich angesetzten zwölf Stunden könnten die Labore bislang nicht garantieren, meint der Mediziner.
 
Ein neues Verfahren aber könnte nun die Testung deutlich beschleunigen. Die Methode, die Zellbiologen der Universität Bielefeld mit mehreren Kooperationspartnern in einer Studie entwickelt haben, liefert das Ergebnis rund zehnmal schneller. Die Untersuchung wurde beim Preprint-Server "medRxiv" veröffentlicht.
 
"Wir können das PCR-Verfahren in 16 Minuten durchführen, dadurch kann man den Durchsatz erhöhen", erklärt Professor Dr. Christian Kaltschmidt vom Lehrstuhl für Zellbiologie der Universität Bielefeld auf Anfrage von t-online.de. Die Methode sei zudem um bis zu 80 Prozent günstiger als die herkömmlichen Tests.
 
Für die Polymerase-Kettenreaktion, die dem PCR-Verfahren seinen Namen gegeben hat, ist ein Gerät namens Thermocycler nötig. Die Bielefelder Forscher haben bei ihrem Verfahren einen speziellen Thermocycler eingesetzt, bei dem die Reaktionen besonders effektiv ablaufen.
 
"Beim Vorgehen haben wir uns am sogenannten Drosten-Protokoll der Berliner Charité und am Protokoll des Centers of Disease Control and Prevention in Atlanta orientiert", so Kaltschmidt. Das sind Standards für Tests auf SARS-CoV-2. Die Forschenden konnten mit ihrer Methode die Ergebnisse herkömmlicher PCR-Tests wiederholen – nur in deutlich kürzerer Zeit und mit weniger Aufwand.
 
Besonders ist auch: Das Gerät kann mehrere Proben parallel analysieren – mit dem speziellen Thermocycler seien pro Stunde rund 570 Auswertungen möglich.
 
Kaltschmidt sieht einen Vorteil des neuen Verfahrens unter anderem dort, wo schnelle Ergebnisse gefragt sind. "Wenn beispielsweise Kreuzfahrtschiffe ihren Betrieb wieder aufnehmen, könnten sie in kurzer Zeit jede Person testen, bevor sie an Bord geht." 
 

Möglich wäre das prinzipiell ab sofort: "Das Gerät steht zur Verfügung und dieses oder ähnliche Geräte können sofort benutzt werden", sagt Kaltschmidt.