Kundgebung in der montenegrinischen Hauptstadt Podgorica am Sonntag07.09.2020  -  Die Demonstranten warnten vor einer drohenden Einflussnahme Russlands und Serbiens. Wer hinter den Kundgebungen steht, war zunächst unklar. Offenbar nahmen zahlreiche prominente Politiker der Partei von Staatspräsident Djukanovic daran teil.

 

Eine Woche nach dem Wahlsieg der überwiegend proserbischen Opposition in Montenegro haben am Sonntagabend Zehntausende Menschen in Podgorica und anderen Städten dafür demonstriert, dass ihr Land unabhängig vom Einfluss Russlands und Serbiens bleibt. „Wir haben die ‚Tschetnik-Freiheit‘ satt“, rief einer der Redner auf der Kundgebung in Podgorica. Die Tschetniks waren serbische Freischärler, die im Zweiten Weltkrieg und in den jugoslawischen Zerfallskriegen der neunziger Jahre Greueltaten an der Zivilbevölkerung verübt hatten.
 
Beim Urnengang hatten drei Oppositionsallianzen zusammen 41 der 81 Mandate errungen. Sie wollen eine Expertenregierung bilden, um die Macht des seit fast 30 Jahren über Montenegro herrschenden Präsidenten Milo Djukanovic zu brechen. Sie werfen ihm Korruption, Verbindungen zur Mafia und Anschläge auf Regierungskritiker vor. Djukanovic hatte das kleine Balkanland 2006 in die Unabhängigkeit von Serbien geführt und als Partner des Westens etabliert.
 
Stärkste Kraft der Oppositionsallianz ist die proserbische und prorussische Demokratische Front (DF) mit 27 Mandaten. Ihre beiden Bündnispartner sind prowestlich orientiert. Aufgrund dieser Kräfteverhältnisse befürchten Anhänger der Unabhängigkeit Montenegros, dass das Land unter der DF-Dominanz wieder in serbisches und russisches Fahrwasser geraten könnte.
 
Es war nicht klar, wer die Kundgebungen am Sonntag organisiert hatte. Die meisten Redner präsentierten sich als „Patrioten“, die nur eine einzige Partei, nämlich den Staat Montenegro, kennen würden. Die unabhängige Zeitung „Vijesti“ machte aber unter den Teilnehmern zahlreiche prominente Politiker der Djukanovic-Partei DPS aus.