Gerhard Bereswill bei einer Pressekonferenz08.09.2020  -  Der Frankfurter Polizeipräsident Bereswill hat sich bei einem Opfer von Polizeigewalt entschuldigt. Derege W., Deutscher mit äthiopischen Wurzeln, war vor von einem Polizisten während eines Einsatzes beleidigt und möglicherweise geschlagen worden.
 
Vor acht Jahren war Derege W. von einem Polizisten nachweislich beleidigt, möglicherweise auch geschlagen, worden. W. lag mit Prellungen, Platzwunde und Gehirnerschütterung drei Tage lang im Krankenhaus. In einem Gerichtsverfahren wurde der Polizist lediglich wegen Beleidigung ("Du Dummschwätzer") zu einer Geldstrafe verurteilt. Nach Jahren des Rechtsstreits haben sich der Frankfurter Polizeipräsidenten Gerhard Bereswill und dessen Sprecher bei W. entschuldigt. 
 
Polizei-Version von Richterin angezweifelt
 
W. sagte 2016 vor Gericht aus, der Polizist habe ihn beleidigt und geschlagen. Der betroffene Beamte hielt dagegen, W. habe sich beim Einsteigen ins Polizeiauto verletzt, was jedoch die zuständige Richterin nicht vollends überzeugte. Die anderen beteiligten Polizisten fielen vor Gericht durch Erinnerungslücken, widersprüchliche Aussagen und krude Formulierungen auf. Ein Beamter bezeichnete W. etwa als "Minderheitsperson", wie die Hessenschau zitiert, die als erste über die Entschuldigung berichtet hatte. Die Körperverletzung konnte zu Ende des Gerichtsverfahrens letztlich nichts zweifelsfrei bewiesen werden. 
 
Zeitpunkt der Entschuldigung kein Zufall
 
W. leitete damals keine weiteren rechtlichen Schritte ein. Desto größer war nun seine Überraschung über die Entschuldigung des Polizeichefs. Nach Informationen der Hessenschau habe Bereswill gesagt, dass es ihm sehr leid tue, dass "Herr W. das Vertrauen in die Polizei verloren und sich die Situation für ihn so dargestellt und er dies so erlebt hat".
 
Vor wenigen Wochen noch hatte die Frankfurter Polizei einen anderen Blick auf den Vorfall: Auf Anfrage der Hessenschau hatte ein Sprecher im Juni erklärt, W. habe "den Anlass für den Polizeieinsatz selbst gesetzt und sich dann auch nicht vorbildlich verhalten". Man betonte, der Fall habe nichts mit Rassismus zu tun. W. forderten daraufhin die Polizei auf, die Situation richtig darzustellen – ansonsten würde er sie wegen Verleumdung anzeigen. Bereswill und sein Sprecher traten mit W. im Anschluss in den Dialog. "Das Gespräch war wie eine Therapie für mich", sagt W. dazu abschließend.