Frau Hauptmann mit Waffe: Ein weiblicher Offizier der Bundeswehr im Einsatz in Prizren (Archivbild)12.09.2020  -  Gefreite, Bootsfrau, Leutnantin – braucht die Truppe gegenderte Ränge? Die Antworten aus dem Bundestag fallen unterschiedlich aus. In einem Punkt aber herrscht Einigkeit: Die Bundeswehr hat andere Probleme.
 
Verteidigungspolitiker der im Bundestag vertretenen Parteien haben unterschiedlich auf Überlegungen im Verteidigungsministerium reagiert, in der Bundeswehr weibliche Dienstgrade einzuführen. „Solche Ideen sorgen bei der Truppe nur für Kopfschütteln“, sagte CSU-Verteidigungspolitiker Florian Hahn.  „Mir scheint das ein Produkt aus der Selbstbeschäftigungstheraphie der Gleichstellungsstelle zu sein.“ Die Verteidigungspolitikerin Siemtje Möller vom Koalitionspartner SPD sagte hingegen, sie finde es „prinzipiell gut“, sich über diskriminierungsfreie Sprache Gedanken zu machen. Ein gegenderter Dienstgrad sei aber nur „nice to have.“
 
Die Idee sieht vor, dass für fast alle Dienstgrade der Bundeswehr binnen eines Jahres ein weibliches Pendant eingeführt wird. Aus einem Gefreiten würde demnach eine Gefreite, aus einem Hauptbootsmann eine Hauptbootsfrau und aus einem Oberfeldarzt eine Oberfeldärztin. Ausnahmen bestätigen die Regel: Eine Soldatin im Dienstgrad Hauptmann würde mit „Frau“ Hauptmann angesprochen werden. Dasselbe gilt im Dienstgrad Oberst, dem höchsten Rang unterhalb der Generalsebene.
 
Verteidigungsministerium: Frage wird diskutiert
Medien berufen sich auf das Protokoll eines Gesprächs zwischen Staatssekretär Gerd Hoofe und zwei Abteilungsleitern. Eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums wollte den Bericht gegenüber am Freitag nicht bestätigen. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) sei „mit Vorhaben zu diesem speziellen Punkt“ bisher nicht befasst gewesen. Die Frage nach der sprachlichen Gleichbehandlung stünde aber im Rahmen der Gleichstellung von Frauen und Männern in der Bundeswehr in der Diskussion.
 
Kramp-Karrenbauers Amtsvorgängerin Ursula von der Leyen hatte davon abgesehen, geschlechterspezifische Dienstgrade einzuführen. Umfragen hätten ergeben, dass eine Mehrheit der rund 22.000 Frauen in der Truppe sie ablehne. Auch in sozialen Netzwerken wenden sich aktive Soldatinnen dagegen, ihre Dienstgrade zu gendern.
 
Die grüne Verteidigungspolitikerin Agnieszka Brugger sagte, sie halte die Idee von weiblichen Dienstgraden nicht für falsch. „Die Art und Weise, wie das Ministerium das Thema behandelt, ist aber alles andere als klug.“ Die linke Verteidigungsfachfrau Christine Buchholz nannte die Überlegungen „unehrlich“, angesichts zunehmender Meldungen über Fälle sexueller Belästigung und der hierarchischen Strukturen bei der Truppe.